Die Zukunft der Kennedy-Brücke
Eine Beueler Herzensangelegenheit
Die Kennedy-Brücke ist für Beuel von ungleich größerer Bedeutung als für die links-rheinischen Stadtteile. Denn viel mehr Beueler wollen oder müssen nach Bonn als umgekehrt. Exemplarisch zeigte sich das in der Beteiligung der Bürger, als die Verwaltung ihre Pläne zur Gestaltung des Straßenzuges Bertha-von-Suttner-Platz / Kennedy-Brücke / Konrad-Adenauer-Platz vorstellte: Zu der Veranstaltung auf Bonner Seite kamen weniger als zehn Interessierte, während es in Beuel weit über 100 waren. Dies belegt eindeutig die unterschiedliche Interessenverteilung und vielleicht auch das emotionale Engagement.Das scheint nicht immer so gewesen zu sein. Denn gegen Ende des 19. Jahrhunderts wollte sich die Gemeinde Vilich (wie sie damals noch hieß) an der Finanzierung der ersten Brücke nach Streitigkeiten über den richtigen Standort nicht beteiligen, weshalb die Bonner ihnen den blanken Hintern des Bröckemännche zeigten. Dabei war diese erste Bonner Brücke nach allgemeiner Ansicht die schönste am ganzen Rhein. Ältere Mitbürger schwärmen noch von ihr und auch heute geht manchen das Herz auf angesichts deren eindrucks- und liebevoller Gestaltung. Diese Herrlichkeit wurde am 8. März 1945 von deutschen Truppen gesprengt und versank in den Fluten des Rheins.
Demgegenüber ist die heutige Kennedy-Brücke ein nüchterner Zweckbau, auf dem man allerdings zu Recht stolz war, sie in schwerer Zeit so rasch errichtet zu haben. Damals war das Hauptproblem die Beschaffung des Stahls. Am 12. November 1949 wurde die neue Brücke eingeweiht und daher wundert es nicht, dass sie nun dringend sanierungsbedürftig ist. Wegen der Kosten wird die Sanierung schon viel zu lange hinausgeschoben. Außerdem wurde mit den Zuschussgebern intensiv über die Aufteilung der verbreiterten Brücke auf die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer gestritten.
Jeder, der über die Brücke geht oder mit dem Fahrrad fährt, ärgert sich über die viel zu schmalen und gefährlichen Fuß- und Radwege. Bei der gewachsenen Bedeutung dieser Verkehrsarten müssen die Wege hierfür dringend verbreitert werden. Das scheint auch Konsens zu sein, zumal erst kürzlich die Gefährlichkeit der Radwege tragisch bestätigt wurde. Umstritten ist noch, ob die Straßenbahn nach der Verbreiterung eine eigene Spur haben und auf wessen Kosten dies gehen soll.
Schließlich gibt es einige Verfechter, die hartnäckig an der Idee von Aussichtskanzeln über den Strompfeilern festhalten. Bei der absoluten Ebbe in den öffentlichen Kassen stößt das bei anderen auf Unverständnis. Aber man muss fragen, ob Planungen, die sich auf die nächsten Jahrzehnte auswirken, solch kurzfristigen Gesichtspunkten untergeordnet werden sollten. Außerdem fallen die Kosten von höchstens 50.000,- € für die Kanzeln in Anbetracht der Gesamtsanierungskosten von ca. 33.000.000,- € kaum ins Gewicht.
Großzügig wurde daher den Kanzelfans zugestanden, dass man der Sache näher treten wolle, wenn sie über Sponsoren finanziert wird. Wäre das nicht in der Tat zu begrüßen, dass etwa bekannte Bonner Firmen oder Institutionen dort einige Jahre für sich werben, wenn damit zum Beispiel Kinderwagen-schiebenden Müttern oder Vätern die Gelegenheit geschaffen wird, sich auf einem größeren Balkon auszuruhen und die Aussicht zu genießen? Der „Deutsche-Welle-Balkon“ oder die „Telekom-Kanzel“ würden bald beliebte Treffpunkte.
Auf der Kennedy-Brücke steht man nämlich genau an der Grenze zwischen dem Mittelgebirge und dem Beginn der norddeutschen Tiefebene. Wer nach Süden schaut, hat einen wunderbaren Blick auf das Siebengebirge, der geologisch zum Westerwald gehört. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite erkennt man im Venusberg den Ausläufer der Eifel. Nach Norden hin öffnen sich die Weiten des Niederrheins mit der uralten Landmarke der Doppelkirche in prominenter Lage.
Zur Zeit ist man aber eher ein Verkehrshindernis, wenn man diese Aussicht genießen will, und wird entsprechend behandelt. Dabei sollten wir die Kennedy-Brücke nicht mehr allein als möglichst schnelle Auto-Verbindung über den trennenden Rhein, sondern endlich als innerstädtische Straße mit vielen Qualitäten begreifen, die eigentlich besondere Schönheiten bietet und entsprechender Gestaltung bedarf. Nutzen wir diese Chance. Sie kommt nicht so bald wieder!
Peter Dach












