Beueler Impressionen

Das Stroof'sche Haus

Das Stroof'sche Haus 17.10.1979
Das Stroof'sche Haus im Oktober 1979 (Foto: Peter Dach)
Das Stroof'sche Haus 17.10.1979
Nur ein Busunglück? (Foto: Peter Dach)
Das Stroof'sche Haus 3.9.1989
Das Haus wird gerettet. Haus Stroof im September 1989 (Foto: Peter Dach)
Das Stroof'sche Haus, Adelheidisstraße 3, 53225 Bonn
Das Stroofsche Haus heute (Foto: Stadt Bonn)
Innenansicht des Bürgermeisterbüros
Innenansicht (Foto: Stadt Bonn)
Dieses kleine Häuschen war von 1809 bis 1896 quasi das Beueler Rathaus. Und das kam so:

Das Gebiet des heutigen Stadtbezirks Beuel gehörte bis 1806 zu zwei verschiedenen Staaten. Nur die Gebiete der Stifte Schwarz-Rheindorf mit Gensem sowie Vilich mit Vilich-Rheindorf, Vilich-Müldorf, Geislar und Combahn gehörten zu Kur-Köln, während das gesamte umgebende Gebiet zum Herzogtum Berg gehörte.

Die Ortschaft Beuel lag schon im bergischen Gebiet, denn die südliche Grenze von Kur-Köln verlief etwa entlang der heutigen Siegfried-Leopold Straße, dann entlang der Oberen-Wilhelm- sowie der Siegburger Straße. Man muss sich also vorstellen, dass etwaige Häuser entlang der Nordseite dieser Straßen von kölschen Bürgern bewohnt wurden und die gegenüber Wohnenden „Bergische“ waren, deren Staatsoberhaupt in Düsseldorf residierte. Ob diese Nachbarn auch den berühmten, bis heute spürbaren Gegensatz von Düsseldorf und Köln nachspielten?

Jedenfalls regierte der Krummstab, unter dem es sich sprichwörtlich gut leben ließ, keineswegs den größten Teil des rechtsrheinischen Bonn, wie man heute unter der Dominanz der Bonner Historie glauben könnte. Pützchen zum Beispiel war bergisch, so dass der zuständige Kölner Erzbischof dort nicht zugleich Landesherr war! Vielmehr hatte der Kölner Erzbischof und Kurfürst im Rechtsrheinischen mit den beiden Stiften nur einen relativ kleinen Brückenkopf und dieser war auch noch in zwei „Herrlichkeiten“ aufgeteilt.

Das Stift Schwarz-Rheindorf hatte seinen Namen von dem schwarzen Habit der dortigen Benediktinerinnen im Gegensatz zu dem grauen Habit der ZIsterzienserinnen von der gegenüberliegenden Rheinseite, wo daher Grau-Rheindorf liegt. Vilich-Rheindorf ist dagegen das Dorf, das am Rhein liegt und zum Stift Vilich gehört. Die Grenze zwischen beiden Stiftsgebieten verlief übrigens entlang der heutigen Werd- und der Vilicher Straße, so dass der Dorfplatz, den wir heute als Mittelpunkt von Schwarz-Rheindorf empfinden, eigentlich auf der Grenze lag.

Mit dieser ganzen Kleinstaaterei machten die Franzosen Schluss, indem Napoleon nach einigen kurzfristigen Zwischenschritten durch Dekret vom 14. November 1808 die einheitliche „Mairie Vilich“ schuf. Das ist sozusagen die Geburtsstunde des heutigen Beuel. Hier in Vilich lag eben damals der Schwerpunkt der Gemeinde, die die Ortschaften Vilich, Vilich-Müldorf, Vilich-Rheindorf, Schwarz-Rheindorf, Geislar, Combahn aus Kur-Köln und Beuel, Limperich, Küdinghoven, Ramersdorf, Pützchen, Bechlinghoven sowie (Ober- und Nieder-) Holtorf aus dem Großherzogtum Berg umfasste. Daher führt das Beueler Wappen 13 Sterne.
Zum ersten Maire – also Bürgermeister – wurde Leonhard Stroof bestellt, der bislang Gerichtsschreiber der beiden Stifte war und sich als sehr tüchtig erweisen sollte. Seinen Lebensunterhalt verdiente Leonhard Stroof übrigens nicht als Amtswalter, sondern mit seiner Landwirtschaft. Leider sind die zum „Stroof’schen Haus“ zugehörigen Wirtschaftsgebäude inzwischen alle verschwunden. Leonhard Stroof richtete in seinem Wohnhaus eine Amtsstube ein und verrichtete von dort aus mit wenigen Gehilfen die Amtsgeschäfte bis ihm nach seinem Tode im Jahre 1825 Gabriel Pfingsten folgte.

Diese Gebiets- und Verwaltungsreform gehört neben unter anderem der Aufhebung der Leibeigenschaft, dem Code Napoleon und dem Dezimalsystem zu den Errungenschaften der französischen Besetzung. Die Freude über diese Fortschritte verging allerdings rasch, insbesondere als die jungen Männer zur französischen Armee gepresst wurden und deren Feldzüge, zuletzt nach Russland, mitmachen mussten.

Wer sich über die seitherige Aufblähung des Verwaltungsapparates mokiert, sollte die deutlich geringere Einwohnerzahl (1836: 4.400), vor allem aber auch das den Bürgern unterbreitete Angebot berücksichtigen, das ebenfalls nur einen Bruchteil des heutigen umfasste. Es gab weder befestigte Straßen, noch Beleuchtung, Wasserversorgung oder Abwässerbeseitigung, von Schwimmbädern oder Bibliotheken gar nicht zu reden. Das zeigt, dass sich einen armen Staat mit rudimentären Aufgaben nur die Reichen leisten können, die sich erforderlichenfalls alles Wünschenswerte selbst beschaffen können.

Erst im Jahre 1896 wurde der Verwaltungssitz in das neu erbaute Rathaus an der Ecke der heutigen Friedrich-Breuer-Straße mit der Rathausstraße verlegt. Man folgte damit der Verlagerung des Gemeindeschwerpunktes, dem dann auch der Standort der neuen Rheinbrücke entsprach. Dieses Gebäude musste dann im Jahre 1962 dem heutigen Rathaus weichen; das heißt, eigentlich hätte es nicht weichen müssen, da sich die Flächen der beiden Gebäude an keiner Stelle überschnitten. Bei der Diskussion um den Erhalt des heutigen Rathausgebäudes sollte man daher das Bedauern berücksichtigen, mit dem des Abrisses des Vorgängerbaus oft gedacht wird, und eine Wiederholung dieses Fehlers vermeiden.

Zurück zum Stroof’schen Haus. Seit 1972 stand es leer und verfiel zusehends, so dass der Abriss diskutiert wurde. 1979 krachte ein städtischer Linienbus bei Glatteis in die eine Ecke des Hauses und böse Zungen behaupteten, das sei nicht ganz ohne Absicht geschehen. Falls es ein Anschlag gewesen sein sollte, war ihm jedoch der Erfolg versagt. Denn im Jahre 1987 kam das Haus in den Besitz der Stadt, die es ab 1989 renovieren ließ. Seither ist dort ein Amtszimmer mit einigen Erinnerungsstücken wieder hergerichtet.

R. Peter Dach