Beueler Impressionen
Die Schwarzrheindorfer Doppelkirche
Die Schwarzrheindorfer Doppelkirche ist ein architektonisches und kunstgeschichtliches Kleinod von herausragender Bedeutung. Das fängt bereits bei der Wahl des Standortes an: Auf hochwasserfreier Anhöhe über einer historischen Stromquerung markiert es genau die Grenze vom Mittelgebirge zum Niederrhein. Schon die Römer ließen regelmäßig ihre Soldaten hier aus dem gegenüber liegenden Lager über den Rhein setzen, damit diese in der Siegaue das Schanzen übten. Unzählige solcher Übungsforts lassen sich auf Luftaufnahmen nachweisen.Bauherr der Kirche war der in der Mitte des 12. Jahrhunderts nach dem König mächtigste Mann des „Heiligen römischen Reiches deutscher Nation“, Arnold von Wied. Er war nämlich nicht nur designierter Erzbischof und Kurfürst von Köln, sondern auch Reichskanzler. Man kann sich das etwa so vorstellen wie heute den Geschäftsführer neben dem Verbandspräsidenten. Arnold von Wied hat mit diesem Bau seinen hohen machtpolitischen Anspruch dokumentiert, den er auch über seinen Tod hinaus anschaulich machen wollte. Denn die Kirche sollte zugleich sein „Mausoleum“ bilden.
Hierzu wurde ein Zentralbau in Form eines Kreuzes, bei dem die gegenüberliegenden Arme jeweils gleich lang waren, konzipiert. Derartige Zentralbauten haben in der Baugeschichte häufiger als Ausdruck herausgehobener Bedeutung gedient. Die Kirche wurde am 24. April 1151 in Gegenwart von König Konrad III. eingeweiht, nach dem deshalb die Kaiser-Konrad-Straße im Combahnviertel benannt ist.
Allerdings hat Arnold von Wied dann selber dazu beigetragen, dass dieser baulich ausgedrückte Anspruch alsbald etwas undeutlicher wurde, indem er die Kirche nämlich seiner Schwester Hedwig schenkte. Diese richtete dort ein adliges Frauenstift ein und hat die Kirche für diese Zwecke umgebaut, indem sie einen Kreuzarm nach Westen verlängerte. Das fällt dem Unkundigen nicht weiter auf, weil der Anbau bereits um 1170 und daher im selben Stile erfolgte. Aber ein bisschen schade ist es schon, dass die ursprüngliche Idee nicht rein erhalten wurde und man sollte sich diese Idee bei der Besichtigung vor Augen halten. Im übrigen hat Arnold von Wied gleichwohl im Zentrum der Kirche in deren Boden sehr wahrscheinlich sein Grab gefunden.
Das Besondere an dieser Kirche ist aber weiterhin, dass sie ein Obergeschoss hat. Manchmal hört man, dass das einzigartig sei, was aber Unfug ist. Man denke nur zum Bespiel an Aachen. Immer aber dient auch diese Baugestaltung der Dokumentation eines besonderen Machtanspruchs. Es sind Kirchen für den Fürsten und weniger für das Volk. Das war auch hier der Sinn der zweiten Etage mit der achteckigen Öffnung genau in Raummitte. Auf diese Weise konnte der Herrscher der Messe beiwohnen, ohne sich unter das Volk zu begeben oder auch nur gesehen zu werden.
Damals war es eben selbst in der Kirche mit demokratischer Gleichmacherei nicht weit her. Der Herrscher konnte auf der im vorigen Jahrhundert wieder hergestellten Verbindung von der der Kirche benachbarten Burg, die es nicht mehr gibt, zur Messe und zurück gehen. Dieser Verbindungsweg mündet in die Zwerchgalerie, die ebenfalls auf der Höhe außen um die ganze Kirche herumführt und von eigenem Reiz ist. Alle Säulen sind mit unterschiedlichen Kapitellen geschmückt. Oft sind Fabelwesen dargestellt, die durch die farbige Bemalung schön hervorgehoben werden.
Diese zunächst arg bunt wirkende Bemalung stieß, nachdem man das Gebäude über lange Jahre im grauen Verputz gesehen hatte, vielerorts auf Skepsis. Bei deren Überwindung half die Versicherung, dass diese farbige Fassung der ursprünglichen Gestaltung entspreche. Inzwischen hat man sich so daran gewöhnt, dass einem ältere Abbildungen mit ihrer eher tristen Anmutung negativ auffallen - auch ein Lehrstück über Sehgewohnheiten und daran anknüpfende Meinungen. Von dieser Zwerchgalerie hat man trotz der hohen Bäume um die Kirche einen schönen Blick ins Land, der einem die gelungene Platzwahl verdeutlicht.
Zurück ins Innere der Kirche: Hier sind die Fresken in Unter- und Oberkirche hervorzuheben. Die Fresken in der Unterkirche illustrieren das Buch Hesekiel. Uns Heutigen sind die Schilderungen dieses Propheten wohl nur noch selten geläufig. Aber seinerzeit war das eine Bilder-Erzählung zu bekannten Geschichten für die des Lesens in aller Regel Unkundigen. Der Maler ist namentlich nicht bekannt, weil die individuelle Person in der damaligen Zeit keine Rolle gespielt hat. Es handelt sich um den Meister einer Kölner Werkstatt, dessen Wirken auch an anderen Stellen nachweisbar ist.
Was jedoch besonders ins Auge sticht, ist der meisterliche Umgang mit den schwierigen Flächen, die die Architektur zur Verfügung stellt. Es ist faszinierend, wie zwanglos der Künstler die Figuren in die Dreiecke und Romben eingefügt hat. In der Oberkirche, die erst später ausgemalt wurde, ist das demgegenüber weit weniger gut gelungen und der Unterschied fällt durch den direkten Vergleich besonders auf.
Die Kirche diente über viele Jahrhunderte dem Stift und nicht der Gemeinde, so dass sie mit der Säkularisation aus kirchlichem Gebrauch ausschied und ganz anderen Zwecken dienen musste, nämlich als Stall und als Scheune. Die Fresken waren da schon einige Jahrhundert übermalt. Sie wurden erst ab 1846 wieder entdeckt, nachdem die Kirche als Pfarrkirche in Dienst genommen war. Nach der Freilegung wurden die Fresken restauriert und zum Teil in einer Weise ergänzt, die man heute wieder korrigiert. Es gibt eben immer bessere Erkentnisse.
Schließlich bot gerade dieses wunderbare und wichtigste Gebäude in Beuel den Anlass für die Verbindung mit Beuels Partnerstadt Mirecourt: Unter der Besetzung durch Napoleon war eine der Glocken aus der Doppelkirche mit Namen „Michael und Magdalena“ nach Mirecourt gelangt. Der dortige Pfarrer, Jean Noel, nahm Ende der fünfziger Jahre mit der hiesigen Gemeinde Kontakt auf und am 27. März 1965 wurde die Glocke hier wieder in Empfang genommen, während in Mirecourt eine extra für diesen Zweck gegossene andere Glocke deren Platz einnahm. (Näheres hierzu siehe unter http://www.bonn.de/rat_verwaltung_buergerdienste/stadtbezirke/beuel/00162/index.html?lang=de ). Damit konnte gerade diese Kirche, die unter den deutsch-französischen Auseinander-setzungen selbst im wahrsten Sinne des Wortes gelitten hatte, die Aussöhnung mit dem „Erbfeind“ dokumentieren.
Es gibt ein Komitee zur Pflege dieser Partnerschaft und wer persönlich dazu beitragen möchte, dass die Partnerschaft auch unter den Bürgern mit Leben erfüllt wird, ist herzlich dazu eingeladen. Er kann sich an die Kommitteemitglieder oder an die Bezirksverwaltungsstelle Beuel wenden.
Peter Dach
















