Beuel
Beuel
Eine LiebeserklärungBeuel liegt nun einmal auf der „schääl Sick“, also der Seite des Rheines, der für die auf Bonner Seite stromauf treidelnden Pferde nicht zu sehen war, weil sie links eine Augenklappe trugen, damit sie vom Strom und seinen Sonnenreflexen nicht irritiert würden - so eine der hübschesten Erklärungen. Aber diese zunächst abwertend gemeinte Bezeichnung wird allmählich zum Qualitätsmerkmal. Zunächst wurde trotzig darauf hingewiesen, dass Beuel die Sonnenseite ist und sich, während Bonn schon im Schatten versinkt, die Besucher der Beueler Biergärten noch an der Abendsonne erfreuen. Ob deshalb die Zahl der hier wohnenden Studenten stetig zunimmt, obwohl es auf der schääl Sick kaum Universitätseinrichtungen gibt, ebenso rar wie
zu Hauptstadtzeiten Verbände oder diplomatische Vertretungen?
Dabei scheint das Wohnen hier schon zu Urzeiten beliebt gewesen zu sein. So findet sich hier der „Oberkasseler Mensch“ aus dem Jungpaläolithikum (vor ca. 14.000 Jahren) vom Cró-Magnon-Typ. Er wurde nach Fundstücken als Schamane identifiziert, der nicht nur zusammen mit einer jungen Frau, sondern insbesondere mit einem Hund beerdigt wurde, der damit eines der frühesten Exemplare seiner domestizierten Art ist. Mit der Schwarz-Rheindorfer Doppelkirche aus dem hohen Mittelalter steht hier ein exquisites Kleinod der Baukunst. Schließlich erblickte hier im Jahre 1824 die Weiberfastnacht das Licht der Welt, eine frühe Regung der weiblichen Emanzipation, schon damals zugleich mit dem mal derben, mal augenzwinkernden rheinischen Humor.
Den Titel einer selbständigen Stadt durfte man nur 17 Jahre lang führen, nämlich von 1952 bis 1969. Dann kam die Eingemeindung, gegen die man sich erfolglos wehrte. Seit diesem Zeitpunkt hat der Stadtbezirk seine heutige Gestalt. Er war stets vom Gewerbe geprägt, das sich aber im Laufe der Jahre wandelte. Ursprünglich war es produzierendes Gewerbe, deren Gebäude vor allem östlich der Eisenbahn noch zu sehen sind, die nun jedoch vielfältigen neuen Funktionen zugeführt wurden. Heute gibt es viele moderne Dienstleistungsunternehmen, die sich als wahre
Job-Motoren erweisen. Exemplarisch lässt sich dieser Wandel auf dem Gelände der ehemaligen
Zementfabrik ablesen.
Beuel boomt. Die Einwohnerzahl steigt, nicht zuletzt weil noch die erforderlichen Flächen zur Verfügung stehen, und das Wohnen hier wird immer beliebter, wohl auch wegen der kurzen Wege in die Natur an Sieg, Rhein und Ennert. Im Laufe der letzten Jahre hat sich hier ein Cluster – wie das auf neuhochdeutsch heißt – von mehr oder weniger alternativer Kultur gebildet, die sich in den ehemaligen Fabriken ausbreitet. Das Geschäftsangebot im Beueler Zentrum muss dieser
Entwicklung noch gerecht werden und die Kaufkraftabwanderung stoppen, was nicht so einfach ist angesichts der zu großen Nähe des unstreitig besseren Angebots im Bonner Zentrum. Wir arbeiten
daran.






