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30. März 2017
Walter Bitterberg, der langjährige Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, ist tot

"Er war der Herbert Wehner der Bonner SPD"

Trauerfeier ist am 6. April auf dem Friedhof Platanenweg in Beuel
Walter Bitterberg ist tot. Der langjährige Vorsitzende der Bonner SPD-Ratsfraktion starb am 29. März. Walter Bitterberg leitete die Fraktion 14 Jahre lang – mit strenger Hand. Sein politischer Weggefährte von der CDU, Will Breuers, drückte es in einem Interview des General-Anzeigers so aus: "Er war der Herbert Wehner der Bonner SPD, eine Art Zuchtmeister - aber fair und mit einer Prise Humor versehen."

Zur SPD kam Walter Bitterberg durch den Kommunalpolitiker Hermann "Juppi" Brungs. Er habe ihn 1964 gefragt, ob er nicht bei den Jusos mitarbeiten wolle. Er sei dann zu einer Versammlung gegangen und habe sich darüber beschwert, dass der Stadtbezirk Beuel im städtischen Kindergartenbedarfsplan unterrepräsentiert sei. „Danach galt ich als Experte auf diesem Gebiet und wurde von der SPD in den Jugendhilfeausschuss geschickt“, erzählte Bitterberg später in einem Zeitungsinterview.

Walter Bitterberg wurde 1939 in Gotha in Thüringen geboren. 1948 ist er mit seinen Eltern illegal nach Hessen ausgereist. Wegen seines Physikstudiums kam er 1961 nach Bonn. Mit Ehefrau Gudrun lebte er seit 1969 in Beuel. Sie haben zusammen zwei Kinder. Nach seiner Promotion war Bitterberg hauptberuflich Lehrer für Physik und Informatik am Schiller-Gymnasium in Köln-Sülz.

Von 1972 bis 1975 war er Mitglied des Bezirksausschusses Beuel, dem Vorläufer der Bezirksvertretung. Von 1975 bis 2004 war er Stadtverordneter in Bonn, von 1988 bis 2002 leitete er die SPD-Fraktion.

Nach 14 Jahren als Fraktionsvorsitzender kandidierte Walter Bitterberg - damals war er 63 Jahre alt - nicht mehr als "Chef", sondern ließ sich bei der Halbzeitwahl nur noch als Stellvertreter seines Nachfolgers Wilfried Klein aufstellen.

Fraktionsgeschäftsführer Gerd Heidemann lobte seinen Fraktionschef damals schriftlich: Bitterberg zeichne Kompetenz, Gradlinigkeit, Verlässlichkeit und Loyalität aus. Er sei bemerkenswert uneitel, vermeide große Auftritte und suche nicht die Öffentlichkeit, was Heidemann übrigens für einen Fehler hält.

2005 verlieh im die Stadt Bonn den Ehrentitel „Stadtältester“. Seine größte politische Enttäuschung sei die Berlin-Entscheidung gewesen, sein größter Erfolg der Kommunalwahlsieg von Rot-Grün 1994, sagte Bitterberg nach seiner politischen Karriere.

Bis zuletzt wohnte er mit seiner Frau Gudrun in Neu-Vilich. Am 6. April findet um 14 Uhr eine Trauerfeier auf dem Friedhof Platanenweg in Beuel statt.