Seitenanfang

Sprungmarken

Hauptinhalt

MELDUNG:

08. August 2017

Eine Zeitreise in die Geschichte der Beueler SPD

Hans-Georg Masuhr lud zum Rundgang an historische Stätten der Sozialdemokratie
Es war eine politische Zeitreise der ganz besonderen Art. Ein Spaziergang quer durch Beuel brachte die Teilnehmer an die unterschiedlichsten Stätten der 104jährigen Geschichte der Beueler SPD. Hans-Georg Masuhr hatte zu dem Rundgang eingeladen. Treffpunkt war die alte Jutefabrik an der Siegburger Straße. Wo heute im Pantheon politisches Kabarett präsentiert wird, begann vor einem runden Jahrhundert die politische Arbeit. Die Fabriken im Gebiet um Siegburger Straße und Gartenstraße galten damals als Keimzellen der Beueler Sozialdemokratie. Unter anderem, weil hier die Arbeiter zu den Maikundgebungen aufmarschierten.
Die Gaststätte an der Ecke Siegburger Straße /Pützchens Chaussee – heute ein libanesisches Restaurant – war damals Treffpunkt der Arbeiterbewegung, erzählte Hans-Georg Masuhr bei dem historischen Rundgang. Treffpunkt nicht nur wegen der umliegenden Fabriken, sondern auch wegen der Bröltalbahn. Sie hatte hier eine Haltestelle, und die Arbeiter nutzten das Bähnchen für ihren Weg zur Arbeit. Damals fuhr die Bröltalbahn auch noch im Personenverkehr.
Die Teilnehmer des Rundgangs erfuhren in der knapp zweistündigen Veranstaltung bei sonnigem Wetter durch Hans-Georg Masuhrs lebhafte Erzählungen interessante Einzelheiten über die Entstehung der SPD, die in Beuel als älteste Partei gilt. Natürlich schilderte Masuhr auch die düsteren Jahre während des Nazi-Regimes.
Er berichtete ausgiebig über den damaligen Beueler SPD-Vorsitzenden Josef Thiebes. Er hatte kurz nach der Machtergreifung durch Hitler in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im Keller seines Hauses in der Neustraße sämtliche Parteiunterlagen – vor allem die Mitgliederlisten – verbrannt. Ein befreundeter Polizist hatte ihn gewarnt, dass die Nazis am nächsten Morgen genau diese Unterlagen beschlagnahmen wollten, um SPD-Mitglieder verfolgen zu können.
Zwölf Jahre lang wurde die SPD von den Nazis zur verbotenen Partei erklärt. Durch von Josef Thiebes organisierte Waldspaziergänge ins Siebengebirge blieben die ehemaligen SPD-Genossen jedoch in Kontakt und begannen 1945, die Beueler SPD wieder aufzubauen. Der Rundgang führte natürlich auch zu Thiebes‘ Haus in der Neustraße und in die Paulusstraße. Ein Teil der Paulusstraße mit der Siedlung für die Degussa-Arbeiter wurde erst vor kurzem zu Ehren des verdienten Sozialdemokraten in Josef-Thiebes-Straße umbenannt.
Der Rundgang führte auch vorbei am Jungen Theater. Ein Sozialdemokrat hatte dort in den zwanziger Jahren ein Kino eingerichtet. SPD-Vorstandsmitglied Hans-Georg Masuhr berichtete dort von den ständigen Querelen mit dem Pfarrer der gegenüber liegenden Kirche. Er hatte in einer Eingabe an die Gemeinde gefordert, dass in den Beueler Lichtspielen nur „sittlich aufbauende Filme gezeigt werden“ sollten.
Der Rundgang endete mit einer Einkehr in der „Rheinlust“. Auch diese Gaststätte war bis in die dreißiger Jahre beliebter Treffpunkt von Sozialdemokraten. Allerdings wechselte der Wirt in der Nazizeit die Fronten.